Nach dem verhunzten Börsengang von Facebook hört man es schon die Spatzen von den Dächern zwitschern: Facebook ist noch innerhalb des laufenden Jahrzehnts weg vom Fenster. Und mit ihm das halbe Web, wenn man Analysten glauben schenken kann. Düstere Zeiten werden da prophezeit, man mag geradezu virtuelle Geisterstädte vor seinem Auge sehen, wo früher das blühende Leben war.
Was ist dran, an diesen Analysen? Bei Facebook von einer Blase zu sprechen ist wohl seit dem Börsengang keine reine Vermutung mehr. Natürlich wurden da einige Informationen zu einem ungünstigen Zeitpunkt veröffentlicht. Ein Schelm, wer dabei an gewollte Steuerung denken mag. Aber neben der nachteiligen Handhabe des Börsengangs waren sich viele Investoren vor allem auch eines bewusst: Facebook fehlt das Geschäftsmodell. Der Platzhirsch unter den sozialen Netzwerken wurde an einem Universitätscampus gegründet, und diese Ausrichtung haftet ihm immer noch an. Ein paar nette Spiele, viel belangloses Gequatsche. Drum herum gekleistert ein paar Werbeschaltungen, die glauben, den Kontext richtig deuten zu können und dadurch die relevante Zielgruppe besser und mit weniger Streuverlusten erreichen zu können.
Wohl gemerkt nur in klassischen Browsern auf Desktop - Computern herumgekleistert. Für einen großen Teil der Nutzer, den mobilen nämlich, die inzwischen annähernd die Hälfte aller Nutzer ausmachen, hat Facebook gar kein Konzept parat. Es gibt da zwar ein paar Ideen von bezahlten Posts im Stream, so richtig ins Rollen gekommen ist da bislang aber nichts. Da ergeben sich für Facebook gleich zwei Probleme: Werbung im Internet wird immer erschwinglicher, das ist ein Fakt. Das heißt, dass für immer mehr Werbung immer weniger bezahlt wird. Gleichzeitig steigen die mobilen Nutzer, die überhaupt keine Werbung sehen, zumindest in der aktuellen App - Generation. Anhand dieses Trends lassen sich drei Szenarien ausmalen, in die Facebook gedrängt werden könnte:
Noch mehr Werbefläche
Um laufende Kosten zu decken und Gewinne einzufahren muss immer mehr Werbung geschalten werden. Je mehr Fläche auf dem Bildschirm für Werbung verwendet wird, umso aufdringlicher wirkt sie, auch wenn sie sich gut in die Applikation rundherum optisch integriert. Es ist eben doch Werbung - und wenn ich irgendwann mehr davon sehe als von tatsächlichen Inhalten aus meinen Freundeskreisen, wird es mühsam werden, die Plattform zu nutzen. Die Nutzer werden über kurz oder lang auf bereits vorhandene oder neue Alternativen ausweichen. Zumindest wird man sich irgendwann einfach einen Adblocker installieren, der die Werbung gar nicht erst vom Server lädt.
Premiumdienste
Facebook könnte sich natürlich einfallen lassen, für gewissen Dienste Geld zu verlangen, bzw. erweiterte Dienste wie Online - Meetings und ähnliches gegen Geld anzubieten. Die Benutzer wurden jedoch jahrelang dazu erzogen, dass Facebook "gratis" ist, hauptsächlich dadurch, dass der durchschnittliche Nutzer sich nicht im Klaren ist, dass er das Produkt und nicht der Kunde ist.
Jemandem etwas verkaufen zu wollen, dass er vorher schon gratis hatte, funktioniert nicht. Auch hier werden Benutzer schnell zu Alternativen ausweichen, so wie das in der Vergangenheit auch mit der Marke Napster schon eindrucksvoll zu beobachten war.
AppGameMarketStoreGeschäftsmodelldingens
Das aus meiner Sicht einzig nachhaltige Szenario, das Facebook erhalten könnte, ist, dass es ein konkretes Geschäftsmodell gibt, das einen kaufmännischen Erfolg erzeugt. Ein eigener Anwendungskosmos, so wie bei Android und iOS wäre definitiv eine Möglichkeit, zu punkten. Die Gerüchte um ein Facebook Mobiltelefon reißen nicht ab und deuten darauf hin, dass man sich vor Ort durchaus bewusst ist, dass man hier noch Hausaufgaben zu erledigen hat. Die Frage dabei bleibt, ob die Welt wirklich noch eine weitere Fragmentierung im Appiversum braucht oder gar verträgt.
Dabei bleibt spannend, ob und auf welche Weise ein solches Geschäftsmodell nachträglich implementiert werden kann und soll. Soziale Gemeinschaften wie Gigfunder oder Kickstarter hatten von Anfang an ein Konzept, wie die Plattform Geld erwirtschaften kann, Facebook ist eben am Ende des Tages doch nur einfach Klatsch und Tratsch mit einem Akzent Mikromanagement - Spielen.
Welches Szenario schlussendlich auch das tatsächliche sein wird, möglicherweise sogar ein komplett anderes als die drei hier aufgezeigten, Facebook wird bestimmt nicht das halbe Web mit sich reißen. Es gab in der Vergangenheit auch schon Giganten in den Weiten der gemeinsamen Virtualität, die mehr oder weniger von der Bildfläche verschwunden sind, oder deren Brisanz zumindest bedeutend abgenommen hat. Yahoo gehört sicher dazu, genauso wie Myspace. ICQ ebenso wie AOL und andere Pionere des Internets, wie wir es heute (oder eben nicht mehr) kennen und nutzen. Ein großes Loch ist durch solche Abgänge eigentlich noch nie entstanden. Eine obsolete Technologie wurde eben durch eine bessere, modernere ersetzt. Aber in keinem dieser Fälle entstand das große Loch, das uns nachhaltig geschadet hätte, mal von den davon Betroffenen Mitarbeitern der Unternehmen abgesehen.
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Mittwoch, 6. Juni 2012
Mittwoch, 23. November 2011
Die Welt ist klein(er)
Man geht davon aus, dass im Durchschnitt jede beliebige Person von einer anderen beliebigen Person irgendwo auf der Erde durch via sechs Personen kontaktiert werden kann. Diese Annahme nennt man Six Degrees Of Separation oder Kleine-Welt-Phänomen. Frigyes Karinthy hatte diese Annahme 1929 in einer Kurzgeschichte postuliert. Seitdem sind die Möglichkeiten, miteinander in Interaktion zu treten, mannigfaltiger geworden und die Welt wurde fühlbar kleiner. Lässt sich das aber auch in Fakten umlegen?
Vor kurzem hat das Datenteam von Facebook eine Studie durchgeführt, aus der hervorgeht, dass die durchschnittliche benötigte Anzahl an Zwischenpersonen tatsächlich gesunken ist - nämlich auf 4,74. Das ist eine nicht unwesentliche Steigerung von etwa 20%, die hauptsächlich auch auf die neuen Kommunikationswege zurück zu führen ist.
Bei der derzeitigen Wachstumsrate an neuen Benutzern, besonders bei Facebook, ist anzunehmen, dass dieser Wert weiter sinken wird und unsere Welt damit noch enger zusammen rückt. Facebook kann das nur recht sein, da sich das Netzwerk dadurch mehr und mehr zum Standard für den sozialen Austausch erhebt, so wie man im deutschsprachigen Raum ein Tempo zum Schneuzen nimmt und im Internet bei Amazon einkauft. Je größer der Vorsprung von Facebook dabei wird, umso schwieriger wird es für die Konkurrenz werden, Relevanz im virtuellen sozialen Austausch zu erlangen.
(Basisartikel bei TechCrunch)
Vor kurzem hat das Datenteam von Facebook eine Studie durchgeführt, aus der hervorgeht, dass die durchschnittliche benötigte Anzahl an Zwischenpersonen tatsächlich gesunken ist - nämlich auf 4,74. Das ist eine nicht unwesentliche Steigerung von etwa 20%, die hauptsächlich auch auf die neuen Kommunikationswege zurück zu führen ist.
Bei der derzeitigen Wachstumsrate an neuen Benutzern, besonders bei Facebook, ist anzunehmen, dass dieser Wert weiter sinken wird und unsere Welt damit noch enger zusammen rückt. Facebook kann das nur recht sein, da sich das Netzwerk dadurch mehr und mehr zum Standard für den sozialen Austausch erhebt, so wie man im deutschsprachigen Raum ein Tempo zum Schneuzen nimmt und im Internet bei Amazon einkauft. Je größer der Vorsprung von Facebook dabei wird, umso schwieriger wird es für die Konkurrenz werden, Relevanz im virtuellen sozialen Austausch zu erlangen.
(Basisartikel bei TechCrunch)
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