Nach dem verhunzten Börsengang von Facebook hört man es schon die Spatzen von den Dächern zwitschern: Facebook ist noch innerhalb des laufenden Jahrzehnts weg vom Fenster. Und mit ihm das halbe Web, wenn man Analysten glauben schenken kann. Düstere Zeiten werden da prophezeit, man mag geradezu virtuelle Geisterstädte vor seinem Auge sehen, wo früher das blühende Leben war.
Was ist dran, an diesen Analysen? Bei Facebook von einer Blase zu sprechen ist wohl seit dem Börsengang keine reine Vermutung mehr. Natürlich wurden da einige Informationen zu einem ungünstigen Zeitpunkt veröffentlicht. Ein Schelm, wer dabei an gewollte Steuerung denken mag. Aber neben der nachteiligen Handhabe des Börsengangs waren sich viele Investoren vor allem auch eines bewusst: Facebook fehlt das Geschäftsmodell. Der Platzhirsch unter den sozialen Netzwerken wurde an einem Universitätscampus gegründet, und diese Ausrichtung haftet ihm immer noch an. Ein paar nette Spiele, viel belangloses Gequatsche. Drum herum gekleistert ein paar Werbeschaltungen, die glauben, den Kontext richtig deuten zu können und dadurch die relevante Zielgruppe besser und mit weniger Streuverlusten erreichen zu können.
Wohl gemerkt nur in klassischen Browsern auf Desktop - Computern herumgekleistert. Für einen großen Teil der Nutzer, den mobilen nämlich, die inzwischen annähernd die Hälfte aller Nutzer ausmachen, hat Facebook gar kein Konzept parat. Es gibt da zwar ein paar Ideen von bezahlten Posts im Stream, so richtig ins Rollen gekommen ist da bislang aber nichts. Da ergeben sich für Facebook gleich zwei Probleme: Werbung im Internet wird immer erschwinglicher, das ist ein Fakt. Das heißt, dass für immer mehr Werbung immer weniger bezahlt wird. Gleichzeitig steigen die mobilen Nutzer, die überhaupt keine Werbung sehen, zumindest in der aktuellen App - Generation. Anhand dieses Trends lassen sich drei Szenarien ausmalen, in die Facebook gedrängt werden könnte:
Noch mehr Werbefläche
Um laufende Kosten zu decken und Gewinne einzufahren muss immer mehr Werbung geschalten werden. Je mehr Fläche auf dem Bildschirm für Werbung verwendet wird, umso aufdringlicher wirkt sie, auch wenn sie sich gut in die Applikation rundherum optisch integriert. Es ist eben doch Werbung - und wenn ich irgendwann mehr davon sehe als von tatsächlichen Inhalten aus meinen Freundeskreisen, wird es mühsam werden, die Plattform zu nutzen. Die Nutzer werden über kurz oder lang auf bereits vorhandene oder neue Alternativen ausweichen. Zumindest wird man sich irgendwann einfach einen Adblocker installieren, der die Werbung gar nicht erst vom Server lädt.
Premiumdienste
Facebook könnte sich natürlich einfallen lassen, für gewissen Dienste Geld zu verlangen, bzw. erweiterte Dienste wie Online - Meetings und ähnliches gegen Geld anzubieten. Die Benutzer wurden jedoch jahrelang dazu erzogen, dass Facebook "gratis" ist, hauptsächlich dadurch, dass der durchschnittliche Nutzer sich nicht im Klaren ist, dass er das Produkt und nicht der Kunde ist.
Jemandem etwas verkaufen zu wollen, dass er vorher schon gratis hatte, funktioniert nicht. Auch hier werden Benutzer schnell zu Alternativen ausweichen, so wie das in der Vergangenheit auch mit der Marke Napster schon eindrucksvoll zu beobachten war.
AppGameMarketStoreGeschäftsmodelldingens
Das aus meiner Sicht einzig nachhaltige Szenario, das Facebook erhalten könnte, ist, dass es ein konkretes Geschäftsmodell gibt, das einen kaufmännischen Erfolg erzeugt. Ein eigener Anwendungskosmos, so wie bei Android und iOS wäre definitiv eine Möglichkeit, zu punkten. Die Gerüchte um ein Facebook Mobiltelefon reißen nicht ab und deuten darauf hin, dass man sich vor Ort durchaus bewusst ist, dass man hier noch Hausaufgaben zu erledigen hat. Die Frage dabei bleibt, ob die Welt wirklich noch eine weitere Fragmentierung im Appiversum braucht oder gar verträgt.
Dabei bleibt spannend, ob und auf welche Weise ein solches Geschäftsmodell nachträglich implementiert werden kann und soll. Soziale Gemeinschaften wie Gigfunder oder Kickstarter hatten von Anfang an ein Konzept, wie die Plattform Geld erwirtschaften kann, Facebook ist eben am Ende des Tages doch nur einfach Klatsch und Tratsch mit einem Akzent Mikromanagement - Spielen.
Welches Szenario schlussendlich auch das tatsächliche sein wird, möglicherweise sogar ein komplett anderes als die drei hier aufgezeigten, Facebook wird bestimmt nicht das halbe Web mit sich reißen. Es gab in der Vergangenheit auch schon Giganten in den Weiten der gemeinsamen Virtualität, die mehr oder weniger von der Bildfläche verschwunden sind, oder deren Brisanz zumindest bedeutend abgenommen hat. Yahoo gehört sicher dazu, genauso wie Myspace. ICQ ebenso wie AOL und andere Pionere des Internets, wie wir es heute (oder eben nicht mehr) kennen und nutzen. Ein großes Loch ist durch solche Abgänge eigentlich noch nie entstanden. Eine obsolete Technologie wurde eben durch eine bessere, modernere ersetzt. Aber in keinem dieser Fälle entstand das große Loch, das uns nachhaltig geschadet hätte, mal von den davon Betroffenen Mitarbeitern der Unternehmen abgesehen.
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Mittwoch, 6. Juni 2012
Dienstag, 29. November 2011
Der soziale Drahtseilakt
Kürzlich hatte man auch in unseren Breiten von der australischen Fluglinie Qantas gehört und wie selbige der Streiks ihrer Mitarbeiter durch ein generelles Grounding aller Flüge Herr zu werden versuchte. Dies alles natürlich sehr zur Verärgerung der eigenen Kundschaft. Das Grounding kam für die Kunden wie aus heiterem Himmel. Man kann sich vorstellen, dass dies auch in sozialen Netzwerken zum Thema gemacht wurde und so dem Image von Qantas sehr zum Schaden gereichte.
Also machte sich Qantas schließlich daran, eine Strategie auszuarbeiten, wie man den negativen Aussagen auf Twitter und co entgegentreten könnte. Offenbar war die Lösung dazu so schnell wie unfundiert gefunden. Man startete ein Twitter #Hashtag - "#QantasLuxury" - und damit einen Nebenschauplatz, statt sich mit dem eigentlichen Problem zu beschäftigen. Um die Twittersphere zum Äußern ihrer Erfahrungen zum Thema zu bewegen, bot man vernachlässigbare Belohnungen an - Qantas Pyjamas. Was danach folgte, hätte von jedem erfahrenen Social Media Team abzusehen sein müssen - das Hashtag wurde von frustrierten Kunden dazu benutzt, ihrem Frust Luft zu machen - ein virtuelles Hijacking, könnte man sagen. Das führte bis hin zu einem viralen Video, in dem Ausschnitte des Filmes "Der Untergang" mit Untertiteln in den Qantas Kontext gesetzt werden. Negative Emotionen der Kunden konnten außerdem viel Kraft dadurch gewinnen, dass die Reaktion von Qantas erst Wochen später erfolgte.
Ein schönes Beispiel, wie man die Chance, die in jedem frustrierten Kunden steckt, nicht nützt. Glücklicherweise gibt es auch ein Gegenbeispiel. Die amerikanische Fluglinie Delta Air Lines verlangte von zurückkehrenden Soldaten aus dem Ausland ab dem vierten Gepächstück einen beträchtlichen Zusatzbetrag (200,00 $) - zu bezahlen aus der eigenen Tasche. Ein Video eines Soldaten, der sein viertes Gepächstück als notwendig deklarierte, weil er dort seine Waffen transportierte, erreichte eine virale kritische Masse und drohte das Image von Delta in Amerika stark zu schädigen. Wie stünde man da, wenn man die eigene Armee nicht unterstützt, speziell in Amerika, wo sehr viele Menschen große Stücke auf ihre Truppen halten.
Delta hat richtig reagiert. Statt einen Nebenschauplatz aufzumachen, befasste man sich direkt mit dem Problem - und zwar schnell. Delta hatte am selben Tag der Verbreitung des Videos eine Entschuldigung auf deren Blog online gestellt. Diese Entschuldigung war direkt an jene gerichtet, die von dem Problem ursprünglich betroffen waren, die heimkehrenden Soldaten. Am nächsten Tag wurde eine offizielle Pressemeldung veröffentlicht, in der dem Wunsch, bis zu vier Gepächstücke mitnehmen zu können, nachgekommen wurde. Für jene Soldaten, die erster Klasse reisten, wurde sogar ein fünftes Gepächstück kostenfrei genehmigt. Delta reagierte auch direkt auf Twitter und sicherte zu, dass Fragen direkt auf Twitter auch beantwortet würden.
Was lernt man daraus? Man könnte folgende Schlüsse herauskristallisieren:
Also machte sich Qantas schließlich daran, eine Strategie auszuarbeiten, wie man den negativen Aussagen auf Twitter und co entgegentreten könnte. Offenbar war die Lösung dazu so schnell wie unfundiert gefunden. Man startete ein Twitter #Hashtag - "#QantasLuxury" - und damit einen Nebenschauplatz, statt sich mit dem eigentlichen Problem zu beschäftigen. Um die Twittersphere zum Äußern ihrer Erfahrungen zum Thema zu bewegen, bot man vernachlässigbare Belohnungen an - Qantas Pyjamas. Was danach folgte, hätte von jedem erfahrenen Social Media Team abzusehen sein müssen - das Hashtag wurde von frustrierten Kunden dazu benutzt, ihrem Frust Luft zu machen - ein virtuelles Hijacking, könnte man sagen. Das führte bis hin zu einem viralen Video, in dem Ausschnitte des Filmes "Der Untergang" mit Untertiteln in den Qantas Kontext gesetzt werden. Negative Emotionen der Kunden konnten außerdem viel Kraft dadurch gewinnen, dass die Reaktion von Qantas erst Wochen später erfolgte.
Ein schönes Beispiel, wie man die Chance, die in jedem frustrierten Kunden steckt, nicht nützt. Glücklicherweise gibt es auch ein Gegenbeispiel. Die amerikanische Fluglinie Delta Air Lines verlangte von zurückkehrenden Soldaten aus dem Ausland ab dem vierten Gepächstück einen beträchtlichen Zusatzbetrag (200,00 $) - zu bezahlen aus der eigenen Tasche. Ein Video eines Soldaten, der sein viertes Gepächstück als notwendig deklarierte, weil er dort seine Waffen transportierte, erreichte eine virale kritische Masse und drohte das Image von Delta in Amerika stark zu schädigen. Wie stünde man da, wenn man die eigene Armee nicht unterstützt, speziell in Amerika, wo sehr viele Menschen große Stücke auf ihre Truppen halten.
Delta hat richtig reagiert. Statt einen Nebenschauplatz aufzumachen, befasste man sich direkt mit dem Problem - und zwar schnell. Delta hatte am selben Tag der Verbreitung des Videos eine Entschuldigung auf deren Blog online gestellt. Diese Entschuldigung war direkt an jene gerichtet, die von dem Problem ursprünglich betroffen waren, die heimkehrenden Soldaten. Am nächsten Tag wurde eine offizielle Pressemeldung veröffentlicht, in der dem Wunsch, bis zu vier Gepächstücke mitnehmen zu können, nachgekommen wurde. Für jene Soldaten, die erster Klasse reisten, wurde sogar ein fünftes Gepächstück kostenfrei genehmigt. Delta reagierte auch direkt auf Twitter und sicherte zu, dass Fragen direkt auf Twitter auch beantwortet würden.
Was lernt man daraus? Man könnte folgende Schlüsse herauskristallisieren:
- Zeit ist nicht nur Geld. Zeit ist Image, was noch viel wichtiger ist, weil es den Erfolg nachhaltig beeinflusst. Je schneller die richtige Reaktion in sozialen Medien erfolgt, umso geringer wird der Schaden schlussendlich sein. Dabei spricht man nicht von Wochen oder Tagen. Dabei geht es um Stunden, weil soziale Medien in nur wenigen Stunden große Kraft zu einem Thema entfalten können.
- Das Problem addressieren. Qantas hatte versucht, durch einen Nebenschauplatz die negativen Äußerungen auf Twitter zu übertrumpfen. Wie leicht das ganze nach hinten los gehen kann, hat man direkt darauffolgend sehen können. Delta hingegen, hatte sich als ersten Schritt entschuldigt, und zwar öffentlich einsehbar. Danach wurde rasch an einer Lösung des Problems gearbeitet, die die Forderung der Kunden zumindest abdeckt, besser noch in gewissen Fällen übertrifft (5 Gepächstücke in der 1. Klasse).
- Transparenz im Vorgehen. Die beste Strategie, den Kunden zufrieden zu stellen, nützt nichts, wenn keiner davon weiß. Daher ist es wichtig, die Diskussion in den sozialen Medien, besonders auch auf Twitter, aktiv mitzugestalten. Wenn es Neuigkeiten zum Thema gibt, sollten diese immer unmittelbar über diese Wege mitgeteilt werden.
- Dem Kunden zuhören, und zwar dort wo er es möchte. Kunden erwarten sich zunehmend, dass ihre negativen Kommentare in sozialen Netzwerken auch vom Hersteller oder Anbieter gehört werden. Dies ist ja auch zwingend notwendig, möchte man sich als Verkäufer ein Bild davon machen, welches Image die eigene Firma oder das eigene Produkt in diesen Medien genießt. Je früher und aktiver man die Belange des Kunden abholt, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Forderung des Kunden die schlagende Kraft der beiden oben genannten Beispiele erreicht.
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Donnerstag, 24. November 2011
Stirbt E-Mail?
In Zeiten des Umbruchs wird gerne mal der Tod einer alternden Technologie verkündet. Genauso schnell ist dann die andere Seite damit, zu verkünden, dass ebenjener Tod nun doch nicht so schnell eintreten wird. Dabei stellt sich die Frage, warum denn immer alles alte sterben muss, nur weil etwas neueres nachkommt? DerStandard.at hat einen Artikel veröffentlicht, in dem der Tod der E-Mail aufgegriffen wird und erklärt wird, warum denn nun E-Mail stirbt - oder eben, warum genau sie nicht so schnell sterben wird.
Die E-Mail als solches zu beerdigen ist etwas, was man sich derzeit nicht vorstellen kann, gerade in dem Umfang, in dem sie heute immer noch genutzt wird. Zwar plagen uns jeden Tag die Geister der E-Mail, seien es die Spamflut oder aber auch die CC- und BCC-Wut; alles und wirklich jeder im Unternehmen muss über alles informiert sein. Dabei driftet der versionierte Wissenstand regelmäßig auseinander und mit der Explosion der Kopienempfänger wird es mit der Zeit unmöglich, die letztlich relevante Version und den eigentlichen Status einer Konversation zu überblicken.
Da haben uns soziale Netzwerke gezeigt, dass es auch anders geht. Wenn man die Information nämlich zentral ablegt und diese damit zur Hol- statt Bringschuld wird, elminiert sich dabei das Problem der klassischen "Versionsangst". Und wenn ich mir nicht mehr sicher bin, was denn der letzte Stand der Diskussion oder eines Dokumentes war, sehe ich einfach dort wieder nach. Es ist immer noch alles am selben Platz, neue Inhalte haben sich vielleicht zu den mir bereits bekannten dazugesellt. Nun wettert der Standard, dass diese neuen, sozialen Netzwerke eben keinen offenen, etablierten Standard bieten, in dem man von jeder Ecke aus am Austausch teilnehmen kann. Genau darin liegt die Stärke von E-Mail - es ist ein universales System, optimal verbreitet und praktisch immer und überall zugänglich. Sich genau diese Stärke zunutze zu machen wir den sozialen Netzwerken angekreidet - besonders wenn es um den Austausch zwischen den einzelnen Netzen geht. Dabei stellt sich die Frage, warum es denn das eine oder das andere sein muss?
Relevante Information - oder Content - sollte zentral liegen - versioniert - und sollte nicht durch Weiterleitungen oder sonstiges unnötig dupliziert werden. E-Mail als Benachrichtigungsdienst einzuspannen ist dabei genau der richtige Schritt. So nutzt man die bereits vorhandene Struktur, die Inhalte bleiben leicht zugänglich. Später kann man selbstverständlich über direktere und bessere Möglichkeiten zur Benachrichtigung über veränderte und neue Inhalte nachdenken. Einige Netzwerke bieten das auch schon (bspw. durch Push - Nachrichten auf Mobiltelefonen).
Die E-Mail ist nicht tot und sie wird auch nicht sterben - genauso wenig wie das Fax tot ist oder sterben wird, oder der klassische Anruf. Sie wird nur ihre Vormachtstellung in der Kommunikation verlieren, weil sie nicht für jede Art Inhalt geeignet ist. Bei manchen Inhalten ist sie sogar stark kontraproduktiv. Sie wird sich einreihen, neben allen anderen Möglichkeiten, mit Menschen zu kommunizieren und damit an ihren rechten Platz im Werkzeugkasten der Kommunikation zurückkehren.
Die E-Mail als solches zu beerdigen ist etwas, was man sich derzeit nicht vorstellen kann, gerade in dem Umfang, in dem sie heute immer noch genutzt wird. Zwar plagen uns jeden Tag die Geister der E-Mail, seien es die Spamflut oder aber auch die CC- und BCC-Wut; alles und wirklich jeder im Unternehmen muss über alles informiert sein. Dabei driftet der versionierte Wissenstand regelmäßig auseinander und mit der Explosion der Kopienempfänger wird es mit der Zeit unmöglich, die letztlich relevante Version und den eigentlichen Status einer Konversation zu überblicken.
Da haben uns soziale Netzwerke gezeigt, dass es auch anders geht. Wenn man die Information nämlich zentral ablegt und diese damit zur Hol- statt Bringschuld wird, elminiert sich dabei das Problem der klassischen "Versionsangst". Und wenn ich mir nicht mehr sicher bin, was denn der letzte Stand der Diskussion oder eines Dokumentes war, sehe ich einfach dort wieder nach. Es ist immer noch alles am selben Platz, neue Inhalte haben sich vielleicht zu den mir bereits bekannten dazugesellt. Nun wettert der Standard, dass diese neuen, sozialen Netzwerke eben keinen offenen, etablierten Standard bieten, in dem man von jeder Ecke aus am Austausch teilnehmen kann. Genau darin liegt die Stärke von E-Mail - es ist ein universales System, optimal verbreitet und praktisch immer und überall zugänglich. Sich genau diese Stärke zunutze zu machen wir den sozialen Netzwerken angekreidet - besonders wenn es um den Austausch zwischen den einzelnen Netzen geht. Dabei stellt sich die Frage, warum es denn das eine oder das andere sein muss?
Relevante Information - oder Content - sollte zentral liegen - versioniert - und sollte nicht durch Weiterleitungen oder sonstiges unnötig dupliziert werden. E-Mail als Benachrichtigungsdienst einzuspannen ist dabei genau der richtige Schritt. So nutzt man die bereits vorhandene Struktur, die Inhalte bleiben leicht zugänglich. Später kann man selbstverständlich über direktere und bessere Möglichkeiten zur Benachrichtigung über veränderte und neue Inhalte nachdenken. Einige Netzwerke bieten das auch schon (bspw. durch Push - Nachrichten auf Mobiltelefonen).
Die E-Mail ist nicht tot und sie wird auch nicht sterben - genauso wenig wie das Fax tot ist oder sterben wird, oder der klassische Anruf. Sie wird nur ihre Vormachtstellung in der Kommunikation verlieren, weil sie nicht für jede Art Inhalt geeignet ist. Bei manchen Inhalten ist sie sogar stark kontraproduktiv. Sie wird sich einreihen, neben allen anderen Möglichkeiten, mit Menschen zu kommunizieren und damit an ihren rechten Platz im Werkzeugkasten der Kommunikation zurückkehren.
Donnerstag, 17. November 2011
Die deutsche Telekom hilft
Vor kurzem hatte sich jemand einen Spaß erlaubt, und einen gefälschten Twitter Account eingerichtet, der wohl das offizielle Konto der deutschen Telekom persiflieren sollte. Sinnigerweise war der Name dieses Kontos Telekom_hiIft und unterschied sich lediglich (kaum erkennbar) durch das groß geschriebene "I" vom echten Support - Konto der Telekom - Telekom_hilft.
Es war zu erwarten, dass die Deutsche Telekom in irgendeiner Weise auf die schlechte Publicity reagieren musste, speziell, da offensichtlich ein echter Name einer Mitarbeiterin des Support Teams genutzt wurde, um die Aussagen des Satire - Kontos authentischer aussehen zu lassen.
Die Deutsche Telekom hätte nun natürlich versuchen können, den Urheber ausfindig zu machen und sie hätte diesen dann wohl auch mit Klagen überziehen können. All das wäre aber höchstwahrscheinlich kontraproduktiv gewesen und hätte Sympathien für den Scherzkeks hervor gerufen. Statt dessen entschied sich das Team der Telekom, zu einem effektiveren, schnelleren und direkteren Mittel zu greifen, einem offenen Brief.
In diesem Brief ergreift die persiflierte Person selbst das Wort (zumindest offiziell) und adressiert direkt den Urheber des Spaßkontos. Sie erklärt zunächst, dass sie bestimmt keine Spaßbremse ist und erläutert dann aber, warum sie den Humor von Telekom_hiIft dennoch nicht gut findet, und das in gut verständlicher Sprache. Der Effekt: Das Konto bei Twitter wurde bereits geschlossen - auf welche Veranlassung hin auch immer. Die Deutsche Telekom hat sich der Kritik gestellt und das ganze mit etwas Humor genommen. Damit hat sie den Schaden bei wesentlich weniger Aufwand bestimmt stärker beschränkt, als das mit konventionellen Rechtsmitteln der Fall gewesen wäre.
Es war zu erwarten, dass die Deutsche Telekom in irgendeiner Weise auf die schlechte Publicity reagieren musste, speziell, da offensichtlich ein echter Name einer Mitarbeiterin des Support Teams genutzt wurde, um die Aussagen des Satire - Kontos authentischer aussehen zu lassen.
Die Deutsche Telekom hätte nun natürlich versuchen können, den Urheber ausfindig zu machen und sie hätte diesen dann wohl auch mit Klagen überziehen können. All das wäre aber höchstwahrscheinlich kontraproduktiv gewesen und hätte Sympathien für den Scherzkeks hervor gerufen. Statt dessen entschied sich das Team der Telekom, zu einem effektiveren, schnelleren und direkteren Mittel zu greifen, einem offenen Brief.
In diesem Brief ergreift die persiflierte Person selbst das Wort (zumindest offiziell) und adressiert direkt den Urheber des Spaßkontos. Sie erklärt zunächst, dass sie bestimmt keine Spaßbremse ist und erläutert dann aber, warum sie den Humor von Telekom_hiIft dennoch nicht gut findet, und das in gut verständlicher Sprache. Der Effekt: Das Konto bei Twitter wurde bereits geschlossen - auf welche Veranlassung hin auch immer. Die Deutsche Telekom hat sich der Kritik gestellt und das ganze mit etwas Humor genommen. Damit hat sie den Schaden bei wesentlich weniger Aufwand bestimmt stärker beschränkt, als das mit konventionellen Rechtsmitteln der Fall gewesen wäre.
Dienstag, 1. November 2011
Social media gone wrong
Vor kurzem hat Herr Florian Baum, Unternehmenssprecher der Drogeriemarkt - Kette Schlecker erfahren, dass man mit seinen Kunden nicht mehr gleich verfahren kann, wie das noch vor zehn Jahren der Fall gewesen wäre. Stein des Anstoßes war der neue Werbeslogan von Schlecker in Deutschland.
Ein Kunde hatte sich über die denglische Formulierung des Slogans mokiert. Der Wortlaut dieses Feedbacks ist nicht öffentlich verfügbar, die Antwort Herrn Baums jedoch schon. Mag sich Schlecker noch so sehr um das Kennenlernen seiner Kundensegmente bemüht haben; mag auch sein, dass die Kundschaft der Kette tatsächlich hauptsächlich aus der mittleren und unteren Bildungsschicht kommt. Es ist auf alle Fälle problematisch, solche Dinge nach außen hin zu benennen. Im Zeitalter von Social Media heißt nach außen nicht notwendigerweise, dass es ursprünglich vom Autor öffentlich gemacht wurde. Es entzieht sich der Kontrolle eines Unternehmens, wie der Empfänger einer Nachricht damit umgeht, auch er kann eine solche Stellungnahme öffentlich machen, mit durchschlagendem Erfolg, wie die Reaktionen in sozialen Netzwerken beweisen.
In der heutigen Zeit ist der Versuch, Informationen und kritisches Feedback zu verstecken, eine sehr komplexe Herausforderung, möglicherweise sogar unmöglich geworden. Unternehmen müssen daher neue Strategien ersinnen, wie mit diesem Feedback umgegangen wird. Eine mögliche Antwort für das hier dargestellte Debakel stellt im Detail (mit junger Sprache, wohlgemerkt) Sascha Lobo zur Verfügung. Wenn man die süffisante Art der Kommentare einmal ignoriert, stellt dies durchaus ein gutes Rezept dar, wie solche Skandale wieder eingefangen werden können. Dass Briefe dieser Art, persönlich aber auch ernstgemeint, ihre Wirkung nicht verfehlen, zeigte auch das Beispiel des CEOs von CCP Games.
CCP ist der Hersteller des renommierten Online Computerspiels Eve Online. Zuletzt hatte sich CCP aber in zuviele neue Projekte verzettelt und die Weiterentwicklung ihrer Cashcow, Eve Online, kam zum Stillstand. Es wurde an Features gearbeitet, die niemanden der Kernspieler interessierten während wichtige Dinge für die Spieler hintangereiht, oder sogar aus dem Spiel genommen wurden. Hilmar Veigar Pétursson, CEO von CCP Games, hatte nach einiger Zeit auf den immer größer werdenden Unmut der Spieler mit einem persönlichen, von ehrlichem Interesse zeugenden Brief reagiert, der aktive Schritte von CCP ankündigte, die Situation für die Spieler, die Kunden von CCP, zu verbessern.
Menschen vernetzen sich über klassische Grenzen hinaus. Schauspieler treten in direkten Kontakt mit ihren Fans. Zeit, dass Geschäftsführer großer Firmen dies mit ihren Kunden genauso tun, und so ein besseres Verständnis dafür bekommen, wie sie ihr Unternehmen im Sinne der Kundenzufriedenheit aktiv weiter entwickeln können.
Ein Kunde hatte sich über die denglische Formulierung des Slogans mokiert. Der Wortlaut dieses Feedbacks ist nicht öffentlich verfügbar, die Antwort Herrn Baums jedoch schon. Mag sich Schlecker noch so sehr um das Kennenlernen seiner Kundensegmente bemüht haben; mag auch sein, dass die Kundschaft der Kette tatsächlich hauptsächlich aus der mittleren und unteren Bildungsschicht kommt. Es ist auf alle Fälle problematisch, solche Dinge nach außen hin zu benennen. Im Zeitalter von Social Media heißt nach außen nicht notwendigerweise, dass es ursprünglich vom Autor öffentlich gemacht wurde. Es entzieht sich der Kontrolle eines Unternehmens, wie der Empfänger einer Nachricht damit umgeht, auch er kann eine solche Stellungnahme öffentlich machen, mit durchschlagendem Erfolg, wie die Reaktionen in sozialen Netzwerken beweisen.
In der heutigen Zeit ist der Versuch, Informationen und kritisches Feedback zu verstecken, eine sehr komplexe Herausforderung, möglicherweise sogar unmöglich geworden. Unternehmen müssen daher neue Strategien ersinnen, wie mit diesem Feedback umgegangen wird. Eine mögliche Antwort für das hier dargestellte Debakel stellt im Detail (mit junger Sprache, wohlgemerkt) Sascha Lobo zur Verfügung. Wenn man die süffisante Art der Kommentare einmal ignoriert, stellt dies durchaus ein gutes Rezept dar, wie solche Skandale wieder eingefangen werden können. Dass Briefe dieser Art, persönlich aber auch ernstgemeint, ihre Wirkung nicht verfehlen, zeigte auch das Beispiel des CEOs von CCP Games.
CCP ist der Hersteller des renommierten Online Computerspiels Eve Online. Zuletzt hatte sich CCP aber in zuviele neue Projekte verzettelt und die Weiterentwicklung ihrer Cashcow, Eve Online, kam zum Stillstand. Es wurde an Features gearbeitet, die niemanden der Kernspieler interessierten während wichtige Dinge für die Spieler hintangereiht, oder sogar aus dem Spiel genommen wurden. Hilmar Veigar Pétursson, CEO von CCP Games, hatte nach einiger Zeit auf den immer größer werdenden Unmut der Spieler mit einem persönlichen, von ehrlichem Interesse zeugenden Brief reagiert, der aktive Schritte von CCP ankündigte, die Situation für die Spieler, die Kunden von CCP, zu verbessern.
Menschen vernetzen sich über klassische Grenzen hinaus. Schauspieler treten in direkten Kontakt mit ihren Fans. Zeit, dass Geschäftsführer großer Firmen dies mit ihren Kunden genauso tun, und so ein besseres Verständnis dafür bekommen, wie sie ihr Unternehmen im Sinne der Kundenzufriedenheit aktiv weiter entwickeln können.
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